Umweltbelastungen

Dr. Michael P. Jaumann, HNO-Arzt, Umweltmedizin

Messungen von Belastungen im Umfeld der Müllverbrennung Göppingen längst überfällig!

Messungen im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zur Planfeststellung und Genehmigung der Müllverbrennungsanlage (MVA) in Göppingen vor ca. 20 Jahren hatten für einige Stoffe teils deutliche Überschreitungen der zulässigen Grenzwerte ergeben. Dies für Böden, Gewässer (Brunnen) und Pflanzen. Zu diesen bekannten Belastungen sind jedes Jahr neue Schadstoffe aus dem Kamin der MVA hinzugekommen, insbesondere die hoch giftigen, langlebigen Dioxine und Furane.

Im Schreiben des Regierungspräsidenten Dr. Udo Andriof an den Oberbürgermeister Haller, Göppingen vom 24.1.1995 wurde zugestanden, dass gemäß den Vorab-Informationen aus dem Gutachten von Professor Hagenmaier, Universität Tübingen, die MVA Göppingen durchschnittlich 2 bis 2,5 ng/m3 Abgas an Dioxinenund Furanen emittiert. Damit wird der gesetzliche Grenzwert von 0,1 ng/m3 um den Faktor 25 (!!!) überschritten. Schon damals haben die Untersuchungen im Umfeld massive Dioxinanreicherungen im Boden wie auch Nahrungsmitteln belegt. Schon damals warnte das Bundesgesundheitsamt (BGA) vor den Folgen dieser Anreicherungen und Belastungen für die Gesundheit der Menschen.

Die Untersuchungen einer Fettgewebeprobe von einem Lamm hatten damals ergeben, dass mit dem Verzehr von 100 Gramm Lammfleisch die nach dem BGA zulässige Jahresaufnahme von Dioxinen und Furanen bereits überschritten war.

Wegen der Gefährlichkeit dieser Emissionen und der zu befürchtenden langfristigen Schadwirkungen wären gemäß § 28 BImSchG (Bundes-Imissions-Schutz-Gesetz) wiederkehrende Messungen alle drei Jahre nötig und möglich gewesen. Diese sind aber nicht erfolgt.

Der Landkreis Göppingen und der Landrat Wolff, die u.a. auch für den Schutz der Bevölkerung im Landkreis zuständig sind, hätten hier tätig werden müssen – dies schon in den vergangenen Jahren. Leider ist dies unterblieben. Die aktuellen Diskussionen um die erneute Ausweitung der Kapazitäten der MVA Göppingen auf jetzt 180.000 Tonnen/Jahr sollten deshalb Anlass sein, die aktuelle Belastungssituation im Umfeld der MVA zu untersuchen. Eins ist sicher: die Belastungen mit diesen langlebigen Stoffen sind in den letzten zwanzig Jahren gestiegen, auch wenn die Grenzwerte eingehalten wurden (Anreicherung).

Fazit: aufgrund dieser Sachlage besteht ein sehr großes öffentliches Interesse vor weiteren schädlichen Emissionen (Schadstoffen) geschützt zu werden.

Forderung: es müssen gemäß § 26 BImSchG (Messungen aus besonderem Anlass) Messungen der Belastungen von Böden und Gewässern im Umfeld der MVA Göppingen erfolgen. Ergänzend wären auch Untersuchungen von tierischem Fettgewebe (z.B. bei Lämmern) sinnvoll und wichtig.Dioxinkarte