Höhere Schadstoffe (Dioxine) in den Abgasen der Müllverbrennung Göppingen (Dr. med. Michael P. Jaumann)

Leserbriefe

Höhere Schadstoffe (Dioxine) in den Abgasen der Müllverbrennung Göppingen…

Leserbrief zum Artikel „GRÜNE für effektivere Mülltrennung“ in der NWZ vom 21.2.2017

Sehr geehrte Damen und Herren der NWZ in Göppingen,

den Bericht über das Gespräch der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/GRÜNE mit dem Leiter des AWB Herrn Dirk Hausmann habe ich mit Interesse gelesen. Es ist in der Tat längst überfällig, dass im Kreis Göppingen der Biomüll separat gesammelt wird. Hierzu gibt es aus ärztlicher Sicht wichtige Ergänzungen und Dringlichkeiten. Diese habe ich nachfolgend beschrieben. Mit freundlichen Grüßen, Dr. M. P. Jaumann

Höhere Schadstoffe (Dioxine) in den Abgasen der Müllverbrennung Göppingen

Die Lektüre der jährlichen Abfallbilanz des Landes BaWü ist für mich als Göppinger Bürger immer wieder enttäuschend. Wir verursachen im Landkreis GP pro Kopf am meisten Müll und sammeln am wenigsten Biomüll. Begünstigt wird dieses wenig umweltbewußte Verhalten auch durch die hier stehende Müllverbrennungsanlage (MVA). Dieses Verhalten ist problematisch:

Schon 1991 hat Professor Vogg (damaliges Deutsches Kernforschungszentrum Karlsruhe = DKFZ) beim DIOXIN-Kongress in Augsburg darauf hingewiesen, daß durch Biomüll und Grünmasse viel Wasser in den Müll komme und hiermit mehr Schadstoffe wie Dioxine entstehen. Das hätten Untersuchungen an seiner Müllverbrennungsanlage TAMARA im DKFZ in Karlsruhe gezeigt.

In der Literatur ist unstrittig, daß Biomüll und Grünmasse im Restmüll zu einer schlechteren bzw in Teilen unvollständigen Verbrennung im Müllofen führen (z.B. wegen zu niedriger Temperatur, nicht ausreichender Durchmischung, zu kurzer Verweildauer des Mülls im Kessel oder erhöhter Feuchtgkeit aufgrund von Grünmasse). Das begünstigt die Entstehung von Substanzen wie Chlorbenzolen, Chlorphenolen und Partikeln von Kohlenstoff. Aus diesen bilden sich in der Abkühlphase der Rauch-Abgase erhöhte Mengen an Dioxinen und Furanen (PCDDs, PCDFs, PCBs) und andere Schadstoffe incl Schwermetalle. Diese werden mit den Abgasen über den Kamin in die Umgebungsluft bzw Atmosphäre geblasen: pro Tonne verbrannter Müll sind das etwa fünftausend Kubikmeter an Abgasen.

Die oben genannten Partikel von Kohlenstoff sind uns Bürgern besser als Fein- und Feinststäube bzw ultrafeine Stäube bekannt. Diese kleinen Partikel, für das menschliche Auge kaum sichtbaren Stäube, werden von den Menschen mit allen daran anhaftenden Fremdstoffen eingeatmet und gelangen bis in die Lungenbläschen. Dort werden diese zu fast einhundert Prozent vom Körper aufgenommen und verursachen lokale Entzündungen und Asthma-Anfälle, beeinflussen das Immunsystem oder begünstigen Veränderungen der Innenauskleidung der Blutgefäße (u.a. Arteriosklerose).

Zum Schutz der Bevölkerung vor diesen zusätzlichen Schadstoff-Belastungen der Atemluft ( POP-Konvention von STOCKHOLM 2004) mit nachfolgenden Erkrankungen müssen deshalb im Landkreis Göppingen größere Anstrengungen unternommen werden den Biomüll und Grünmüll nicht mehr in die Müllverbrennung zu werfen.

Die Forderung der Kreistagsfraktion von B 90/GRÜNE in Göppingen nach Umsetzung der seit 2015  gesetzlich zwingend vorgeschriebenen Biomüll-Sammlung (§11 des KrWG)  ist deshalb zu unterstützen. Der Kreistag, der Landrat und die Verwaltung des Landkreises sind dem Wohlergehen der hier lebenden Bürgerinnen und Bürger verpflichtet – und nicht dem Gewinnstreben der EEW.

Dr. med. Michael P. Jaumann

Arzt für HNO und Umweltmedizin

Marktstrasse 16  in  73033 Göppingen

p.s.

die POP-Konvention STOCKHOLM trat 2004 in Kraft nachdem der fünfzigste Staat unterzeichnet hatte. Zu diesen gehören Deutschland, Frankreich und die EU. Diese Staaten habe sich in dieser POP-Konvention verpflichtet alles zu tun um die Belastungen der Atmosphäre (Atemluft) mit persistierenden Organochlorverbindungen (POP = persistent organic pollutans sind persistierende organische Schadstoffe) zu verringern bzw zu reduzieren.

KrWG = Kreislaufwirtschaftsgesetz vom 1.1.2012   dort ist im §11 die Sammlung von Biomüll ab dem 1.1.2015 zwingend vorgeschrieben