Hochgiftige Stoffe im Göppinger Boden durch die Müllverbrennung? EEW-Gutachter TÜV-Süd disqualifiziert sich selbst! (Dr. med. Michael P. Jaumann)

Leserbriefe

Hochgiftige Stoffe im Göppinger Boden durch die Müllverbrennung? EEW-Gutachter…

Der Betreiber der MVA GP die Firma EEW hat den TÜV-Süd mit Bodenanalysen im Umfeld der MVA beauftragt. Diese sollen an denselben Stellen erfolgen wie bei der Umweltverträglichkeitspüfung (UVP) im Jahr 1992. Damit sollte eine Bewertung bzgl von weiteren Anreicherungen von hochgiftigen Stoffen wie Dioxinen, Furanen und PCBs möglich werden. Das ist zu loben.

ABER: in unserem Schreiben an die EEW vom 10.August 2017 können Sie nachlesen wie sich der TÜV Süd durch fragwürdige Stellungnahmen und Bewertungen in Sachen MVA Göppinen selbst disqualifiziert hat. Dieser Gutachter ist abzulehnen!

 

Bodenzustandsuntersuchungen und Bodenproben im Umfeld der MVA Göppingen, aufgrund Antrag zur Ausweitung der Verbrennungskapazitäten.

Guten Tag Herr Holpert,

in den seit 8. August 2017 vom MVA-Betreiber EEW ausgelegten Unterlagen für den Bürgerinformationsprozess (BIP) haben wir gelesen, dass „…der Standort beschlossen habe…“ Bodenproben im Umfeld der MVA untersuchen zu lassen. Diese sollten nach u.E. unbedingt analog den Messpunkten und Untersuchungen zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) vor circa 25 Jahren erfolgen. Sie schreiben auf Folie 3 richtig „…um den tatsächlichen Zustand zu ermitteln sind Messungen, also Bodenvorbelastungsuntersuchungen und Bodenbeprobungen, notwendig.“ Beauftragt sei der TÜV Süd GmbH (Industrie Service) diese Untersuchungen der Bodenproben durchzuführen und ein Gutachten zu erstellen.

Wir sind über diese Entscheidung etwas verwundert. Wir bezweifeln nicht, dass diese Untersuchungen dort nicht qualifiziert erfolgen. Der TÜV Süd ist ja für solche Untersuchungen zugelassen. Wäre es aber angesichts der von uns nachfolgend dargelegten Einschätzungen und Bewertungen des TÜV Süd bzgl Untersuchungen der letzten 2 Jahre im Kreis Göppingen nicht „sicherer“ gewesen einen Gutachter aus einem anderen Bundesland zu beauftragen? Könnte es nicht kritische Fragen hierzu aus der Bevölkerung geben?

Ein weiterer Punkt bereitet uns große Sorgen: im Jahr 2015 hatte der Betreiber/EEW wegen einem Ventil für den Müllbunker beim RP Stuttgart (RPS) einen Veränderungsantrag gestellt. Das RPS hat zur Vorbereitung der Genehmigung in 2016 einen aktuellen Boden-/Wasser-Zustandsbericht (AZB) angeordnet. Dies völlig zu Recht.

Nach uns vorliegenden Informationen war es gerade der von Ihnen hierzu beauftragte TÜV Süd gewesen der das RPS und die LfU BW in Karlsruhe (Landesanstalt für Umwelt) davon überzeugte, dass Messungen von Bodenproben „…zu unspezifisch seien…“ um Belastungen von Böden und Wässern durch Immissionen seitens der MVA zu erkennen. Hierfür würde es ausreichen die Probenwerte der vier Grundwasserbrunnen auf dem Gelände der MVA zu bewerten. Diese werden einmal im Jahr untersucht! Angesichts der seit 1992 bekannten hohen Belastungen von Bodenproben im Umfeld der MVA (3,0 km Umkreis) mit Dioxinen, Furanen und PCBs eine nicht nachvollziehbare Einschätzung und Position.

Skandalverdächtig wird diese Argumentation des TÜV Süd wenn wir berücksichtigen, dass diese vier Grundwasserbrunnen eigentlich dazu dienen um evtl. Undichtigkeiten z.B. des Müllbunkers der MVA zu erkennen. Es sollte dem TÜV Süd eigentlich bekannt sein, dass die oben genannten hochgiftigen Stoffe kaum wasserlöslich sind und – aufgrund ihrer extremen Langlebigkeit (in 20 Jahren ein Abbau von circa 10-15 Prozent) – für Jahrzehnte in den oberen Bodenschichten verbleiben. Das RPS hatte seinerzeit, wegen hoher Werte an PCDD/F und PCBs, bei fünf Grundstückseigentümern Nutzungseinschränkungen bzgl. gärtnerischer und landwirtschaftlicher Nutzung angeordnet. Damals wie heute nehmen wir Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zu viel dieser Stoffe täglich auf (2-3 Pikogramm TEQ pro Kilogramm Körpergewicht). Nach Meinung des Bundesgesundheitsamtes (BGA) und dem Umweltbundesamt (UBA) sollte dieser Wert unter 1 Pikogramm liegen.

Ein weiteres Problem ist aus unserer Sicht, dass die Begutachtung der Bodenproben und das Gutachten zu den Immissionen der MVA erst am 12. September in der öffentlichen Veranstaltung veröffentlicht werden sollen. Damit ist es der kritischen Öffentlichkeit unmöglich diese Messwerte, Befunde und Bewertungen zu prüfen und zu hinterfragen. Das führt den öffentlichen Informationsprozess – der ja in den Sommerferien liegt – noch mehr ad absurdum. Diese Terminplanung ist abzulehnen.

Abschließend wollen wir unsere Hinweise und Forderungen nochmals stichpunktartig zusammenfassen:

  1. Bodenuntersuchungen müssen einzeln und an denselben Stellen bzw. Standorten erfolgen wie seinerzeit bei der UVP (Daten und Messprotokolle incl. Kongenerenmuster liegen dem RP Stgt vor). Es sind keine Untersuchungen von Sammelproben zulässig.
  2. Veröffentlichung der einzelnen Messwerte bzgl. PCDD/F und PCBs u.a. ist nötig, incl. dem jeweiligen Kongenerenmuster (um daran die Quelle zu erkennen). Diese müssen den früheren Messpunkten bei der UVP zugeordnet werden können.
  3. Wir halten aufgrund der oben ausgeführten Fehleinschätzungen oder Falschbewertungen den TÜV Süd für einen nicht geeigneten Untersucher und Gutachter. Wir würden z.B. die Firma SGS FRESENIUS in Taunusstein (Hessen) beauftragen, evtl. auch die Materialprüfungsanstalt (MPA) der Universität Stuttgart.
  4. Im Vorfeld der UVP für den dritten Kessel (Ersatzkessel) der MVA in GP waren seinerzeit Oberflächeneinträge in die mineralwasserführenden Schichten festgestellt worden. Es mussten damals vier Entnahmestellen von Mineralwässern wegen Fremdstoffen „geschlossen“ werden. Aufgrund dieser Sachverhalte hatte das Geologische Landesamt und das Wasserwirtschaftsamt Besigheim im Vorfeld der UVP ein hydrogeologisches Gutachten gefordert.
  5. Nach der Veröffentlichung der beiden Gutachten (Boden, Immissionen) sind mindestens vier Wochen nötig um diese angemessen zu prüfen und zu bewerten. Eine Veröffentlichung am Tag der öffentlichen Veranstaltung am 12. September 2017 ist abzulehnen.

Nach all den kritischen Anmerkungen wollen wir uns abschließend trotzdem dafür bedanken, dass EEW offensichtlich seine Einschätzung geändert hat und bereit ist, die derzeitigen tatsächlichen Belastungen der Böden und Wässer im Umfeld der MVA GP zu ermitteln und zu veröffentlichen. Dies sollte aber korrekt und transparent erfolgen wie es der Landrat E. Wolff in der Kreistagssitzung betont hat.

Mit besten Grüßen

Dr. med. Michael P. Jaumann

MVA Boden-US Schr-an-EEW-Holpert-09.08.17