Gesundheitliche Wirkungen inhalierbarer Fein- und Feinst-Stäube aus Verbrennungsprozessen (MVA) (Dr. med. Michael P. Jaumann)

Feinstaub

Gesundheitliche Wirkungen inhalierbarer Fein- und Feinst-Stäube aus Verbrennungsprozessen (MVA)…

Für die gesundheitlichen Auswirkungen beim Menschen, insbesondere in der Lunge, sind durch Oberdörster G. et al und anderen Forschergruppen in den letzten 20 Jahren viele Daten vorgelegt worden. Diese zeigen, daß insbesondere die Anzahl und Größe der Partikel sowie deren Oberflächen mit daran angelagerten Stoffen (Metalle, Gase etc) eine entscheidende Rolle für die biologische Wirksamkeit spielen.

So konnte Oberdörster et al bereits Mitte der 1990er Jahren zeigen, daß Mäuse in einer aus bestimmten Gasen zusammengesetzten Atmosphäre ohne Probleme leben konnten. Dies sich aber dramatisch veränderte sobald kleine Partikel (<2,5 Mikrometer) in diese Luft eingeblasen wurden. Mit diesen kleinen Partikeln, die zu fast einhundert Prozent in den Lungenbläschen vom Organismus aufgenommen werden, wurden auch auf den Oberflächen angelagerte Gasmoleküle mit aufgenommen: das führte zu einer massiven Erhöhung der Toxizität (Giftigkeit) sodaß viele der Versuchstiere daran verstarben.

Heutzutage gilt als sicher, daß feine (<2,5Mikrometer) oder ultrafeine Partikel (UFP <0,2Mikrometer) bzw Stäube, die bis in die Lungenbläschen vordringen wesentliche stärkere Entzündungsreaktionen auslösen wie größere Partikel (>2,5Mikrometer) gleicher chemischer Zusammensetzung. So enthalten auch Flugaschen aus technischen Verbrennungsanlagen oder Müllverbrennungsanlagen (MVA) UFP die zu den biologischen Wirkungen beitragen (Wottrich et al, 2004).

Ein wichtiger Hinweis wurde von Smith und seiner Arbeitsgruppe (1998) geliefert: unter physiologischen Bedingungen mobilisierbares Eisen (Fe) war vor allem in der Feinstaubpartikelfraktion (<2,5 Mikrometer) enthalten.

Forscher im Forschungszentrum Karlsruhe (S.Diabate et al, 2013 – BWB) haben Untersuchungen zu den Gesundheitseffekten durch inhalierbare Feinststäube aus technischen Verbrennungsanlagen gemacht und hierbei Flugaschen aus Müllverbrennungsanlagen genommen (MVA des FZKA: Tamara). Diese haben eine Vielzahl interessanter und wichtiger Aspekte erbracht.

Zusammenfassend wird dort dargestellt: Ein wichtiger Aspekt für die stärkere biologische Wirkungen der kleinen Partikel ist, daß die bei Verbrennunsgtemparaturen (z.B. einer MVA) flüchtigen Metalle Blei (Pb), Cadmium (Cd) und Zinn (Zn) sowie organische Verbindungen (PCBs, Dioxine, Furane) in der Ankühlphase der Rauchgase auf der Oberfläche der Aluminiumsilikatkerne und anderen Partikeln kondensieren (und anhaften). Es werden dabei beträchtliche Mengen vor allem auf den kleineren Partikeln abgelagert.

Hier schließt sich der Kreis: diese kleineren Partikel gelangen bei Menschen bis in die Lungenbläschen und werden mit den daran anhaftenden Stoffen zu nahezu einhundert Prozent vom Organismus aufgenommen. Dies führt zu immunologischen und entzündlichen Reaktionen im Lungengewebe, den Lymph- und Blutgefäßen. Des weiteren werden diese Teilchen mit Ihrer Fracht im ganzen Körper verteilt.

Dr. Michael P. Jaumann    Arzt für HNO und Umweltmedizin         (auf Anfrage erstellt im Juli 2017)

 

Dr. Michael P. Jaumann
Deutscher BV HNO-Ärzte