FAZ 3. August 2017 Wenn sich Müllberge in Luft auflösen auf Seite 23 (Autor: bu – Düsseldorf)

FAZ 3. August 2017 Wenn sich Müllberge in Luft…

Im deutschen Recyclingsystem wird kräftig getrickst. In der Jahresabrechnung fehlen 210.000 Tonnen kostenpflichtiger Abfall. Der Schaden durch die Lücke beträgt zig Millionen Euro. Tricksen und Täuschen gehören im Müllrecycling immer noch zum Geschäft. So habe sich in der Endabrechnung 2016 für die Entsorgung von Joghurtbechern etc ein kostenpflichtiger Berg von 210.000 Tonnen Verpackungsabfall statistisch in Luft aufgelöst. Besonders hoch ist der Schaden beim Müll im gelben Sack bzw der gelben Tonne. Hier klaffe eine Lücke von ca 50 Millionen Euro, einschließlich Papier und Glas sind es sogar 60 Millionen Euro.Die drei Unternehmen Grüner Punkt, die dualen Systeme von Interseroh und BellandVision nehmen das als Bestätigung dafür, dass einige Marktteilnehmer ihren Pflichten auch weiterhin nicht nachkommen oder gezielt Schlupflöcher nutzen. Weitere Beispiele und Probleme zeigen, dass es überfällig ist, dass ab 2019 strengere Vorschriften mit stufenweiser Anhebung der Recyclingquoten kommen. Auch das Bundeskarellamt habe sich schon damit beschäftigt. Die drei großen obigen Anbieter wollen sich nicht länger übervorteilen lassen und habe jetzt eine eigene Clearingstelle eingerichtet. Diese wird das Recycling stabilisieren und die Kosten niedrig halten.