03.08.2017 – Neubau Klinik am Eichert und Müllverbrennungsanlage GP (Agnes Hammerstein)

Leserbriefe

03.08.2017 – Neubau Klinik am Eichert und Müllverbrennungsanlage GP…

Sehr geehrter Herr Dr. Pöhler, Leiter Gesundheitsamt Göppingen
das Gesundheitsamt hat ja bei der Erhöhung der Durchsatzmenge des Müllheizkraftwerkes auch etwas mit zu reden.
Daher möchte ich Ihnen hier meine Überlegungen dazu mitteilen:
Es ist ja der Neubau der Klinik am Eichert beschlossene Sache. Es wird eine schöne, moderne Klinik mit Fenstern zum öffnen. Diese Klinik befindet sich in ca 1,5 km Entfernung Luftlinie zum Müllheizkraftwerk. Dieses Kraftwerk hat einen 100m hohen Schornstein. Man könnte meinen, dadurch würden die Schadstoffe über  die Klinik hinweggeblasen, aber es ist ja so, dass das Kraftwerk in einer tiefen Senke liegt. Ich habe Ihnen die Höhenverhältnisse in einer Graphik veranschaulicht. Dies ist keine Computer-Graphik, es ist am Schreibtisch mit Papier und Bleistift erstellt. Als Grundlage habe ich die Landkarte des Landesvermessungsamtes , Maßstab 1:35 000 genommen. Die Höhe ist um den Faktor 25 überhöht, damit der Effekt anschaulich wird. Daraus können Sie ersehen, dass die effektive Schornsteinhöhe gegenüber der Klinik nur 30 Meter beträgt. Und der Neubau soll ja   sechs Geschosse erhalten, da kommt man dann fast auf die Höhe der Ausstoßöffnung!
Ein weiterer Faktor,den es zu berücksichtigen gilt, sind die aufgrund der Topographie entstehenden Windrichtungen oder Aufwinde. Ich habe Ihnen eine mögliche Konstellation in der zweiten Graphik dargestellt. Ich behaupte nicht, dass diese Winde ständig da sind, sondern dass die Wahrscheinlichkeit erhöht ist. Dem „Leitfaden Beurteilung von TA Luft Ausbreitungsrechnungen in Baden-Württemberg“ habe ich entnommen, dass es zwar moderne Programme zur Berechnung der Ausbreitung von gasförmigen Schadstoffen gibt, diese aber bei einer so steilen und schwierigen Topographie, wie sie beim Müllheizkraftwerk Göppingen vorliegt, gar nicht anwendbar sind. Auf Deutsch heißt das, dass niemand vorhersagen kann, wo die Schadstoffe hin fliegen.
Müll zu verbrennen heißt, mit einem Brennstoff umzugehen, dessen Zusammensetzung man nicht kennt. Wenn in Zukunft neue Werkstoffe erfunden werden, wird kann es neue Schadstoffe in den Abgasen geben. Die Grenzwerte  können immer erst nachträglich erlassen werden, wenn die Schädlichkeit schon bewiesen ist. Es gibt laut Wikipedia Grenzwerte für 40 Stoffe. In den Abgasen befinden sich aber noch viele weitere Stoffe, die garnicht gemessen werden.
Die Erhöhung der Durchsatzmenge bedeutet in jedem Fall eine Erhöhung der Emissionen, das leugnet auch der Betreiber nicht. So prognostiziert der Betreiber z.B. 4,3 Tonnen zusätzlich an Stickoxiden. Wenn ich davon ausgehe, dass in wenigen Jahren nur noch KFZ nach Abgasnorm Euro 6 herumfahren, die 2014 erlassen wurde, und seit 2015 für alle Neuwagen gilt, dann wären das mindestens 3000 Fahrzeuge! ( in der Vorlage des Betreibers ist von 430 PKW die Rede) mit einer Jahresleistung von 20 000 km, die zu dem schon bestehenden Verkehr hinzukommen. Und diese Fahrzeuge würden ihre ganzen Kilometer im engesten Umkreis der Klinik zurücklegen, jedes würde also täglich 55 Kilometer um die Klinik herum fahren!
Dazu kommen dann noch die Fahrzeuge, die den Müll anliefern. Der Betreiber rechnet mit 500 für 10 000 Tonnen Müll. Es sind aber 23 000 Tonnen beantragt, daher gehe ich jetzt von 1150 LKW- Fahrten aus. Allerdings müsste dann jeder LKW bei jeder Fahrt 20 Tonnen transportieren, was ja wohl garnicht geht!
Das Klinikum am Eichert ist aufgrund seiner Nähe und  Höhenlage das Gebäude, das den Emissionen des Müllheizkraftwerks am stärksten ausgesetz ist! Eine Ausnahme mag starker Westwind bilden, aber er bläst nicht oft.
Dieser Bettenbau, der bis in den 6. Stock geht, und in dem geschwächte Menschen gesund werden sollen, soll nun noch mehr giftigen Gasen ausgesetzt sein als bisher!  Damit würde der Heilerfolg der Behandlungen  gefährdet.
Kranke, aber auch Neugeborene oder nach Operation geschwächte Menschen haben noch weniger Ausgleichskräfte als Gesunde, um Umweltgifte zu neutralisieren.
Bitte nehmen Sie diese Bedenken ernst, sonst gefährden Sie den Erfolg dieser 337 Millionen Euro Investition wegen der Anfrage der EEW und wegen des Profits für den chinesischen Staat.
Mit freundlichen Grüßen
Agnes Hammerstein